Auch wenn exotische Tierarten immer häufiger angeboten werden und leichter zu bekommen sind, rät der Landestierschutzverband dringend von dem Erwerb solcher Tiere ab. Exotische Tierarten stellen sehr hohe Haltungsansprüche und sind extrem teuer im Unterhalt.
Reptilien- oder Terraristikbörsen nehmen in Baden-Württemberg stetig zu. So fand am vergangenen Wochenende in Offenburg eine Reptilienbörse statt und schon eine Woche später öffnet in Karlsruhe die 27. „Terraristikmesse“ ihre Türen. Laut Veranstalter haben private Anbieter und Fachhändler aus ganz Europa ihre Teilnahme zugesagt. Offensichtlich boomt das Geschäft mit Terrarientieren und scheint sehr lukrativ zu sein.
Doch schon allein die Belastungen durch den zum Teil unsachgemäßen und manchmal tagelangen Transport von einem Veranstaltungsort zum nächsten kosten viele Tiere das Leben, vor allem auch in Hinblick auf die zurzeit kalten Außentemperaturen.
Die zum Verkauf angebotenen Tiere sind häufig sehr empfindlich und stellen hohe Ansprüche an ihren Lebensraum, kommen sie doch ursprünglich zumeist aus extremen Klimazonen wie trockenheißen Wüsten, Steppen, Savannen oder Regenwäldern.
Schwer vorzustellende Lebensbedingungen, wenn man sich die Verkaufssituation dieser Tierbörsen vor Augen hält. Auf und unter reihenweise angeordneten Tischen steht - teilweise schon „verpackt“ in kleinen Plastikbehältern - ein breites Angebot der verschiedensten Tierarten wie Amphibien, Skorpione, Spinnentiere, große und kleine Echsen, andere Reptilien, Schlangen, Schildkröten und nicht zuletzt die so genannten Futtertiere.
Nicht immer handelt es sich um nachgezüchtete Tiere. Immer wieder finden sich auch importierte Wildfänge im Angebot. Nur ein Bruchteil davon kommt allerdings überhaupt im Handel an, denn sie sind durch die Strapazen des Einfangens in ihrer Heimat und die langen Transporte über diverse Zwischenstationen oft schon vorher am Ende ihrer Kräfte angekommen. Doch hohe Verlustraten werden von den professionellen Händlern skrupellos mit einkalkuliert.
Nicht nur, dass die Zahl gewerbsmäßiger Händler auf Tierbörsen auffallend zunimmt, auf Kritik bei Tierfreunden stößt immer wieder auch die Präsentation der verschiedenen Tierarten, die den Besuchern wie lebende Massenware in kleine Behälter gepackt zu Dumpingpreisen angeboten werden. Ob man hier beim Spontankauf auch wirklich über die Bedürfnisse der Tiere aufgeklärt wird, scheint zweitrangig zu sein. Laut Tierschutzgesetz sind derartige Börsen zwar genehmigungspflichtig, einen Sachkundenachweis, wie er von Zoofachhändlern verlangt wird, ist jedoch nicht vorgesehen. Und trotz Börsenordnung kommt es immer wieder zu tierschutzwidrigen Vorfällen.
Der Landestierschutzverband rät deshalb dringend davon ab, solche Tierbörsen zu besuchen und dort Tiere zu kaufen. „Ob Wildfänge oder Nachzuchten, letztlich sind und bleiben die auf Tierbörsen angebotenen Reptilien und Exoten Wildtiere, denen man in Privathaltung einfach keine geeigneten Lebensbedingungen bieten kann“, argumentiert Herbert Lawo, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes. “Daran können selbst aufwendige Terrarien mit vielerlei Zubehör nicht viel ändern.“ Der Aufwand für Zubehör und Technik ist bei der Exotenhaltung um ein Vielfaches kostenintensiver als der Erwerb des Tieres selbst.
Die Erfahrung zeigt leider, dass gerade bei Reptilienhaltungen sehr häufig gravierende Fehler gemacht und in Kauf genommen werden. Fehl- oder Mangelernährung, zu kleine oder falsch eingerichtete Terrarien, unzureichende Beleuchtung, falsches Klima und vieles mehr führen zu Stoffwechsel- oder Wachstumserkrankungen, Atemwegsproblemen, Abszessen und Geschwüren. Die Tiere verenden elend oder werden von ihren Besitzern einfach ausgesetzt.
„Verantwortungsbewusste Tierfreunde lassen sich durch solche Angebote nicht locken und verzichten auf die Exotenhaltung“, so Lawo abschließend.
Karlsruhe, 03. März 2010Landestierschutzverband lehnt die Haltung und das Mitführen von Tieren wild lebender Arten im Zirkus - wie im Circus Universal Renz - entschieden ab.
Ab morgen gastiert der Zirkus Universal Renz in Karlsruhe. Mit sich führt er zahllose Tiere, darunter sibirische Tiger, Alligatoren, Krokodile, Kamele, Lamas, Alpakas, Elefanten und Bären.
Der Circus Universal Renz selbst wirbt damit, „hohe qualitative Standards erarbeitet zu haben, die die artgerechte Haltung aller Tiere im Zirkus gewährleisten“.
Doch eine tierschutzgerechte Haltung und Unterbringung unter Zirkusbedingungen ist nach Ansicht von Herbert Lawo, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes Baden-Württemberg e. V. nicht möglich: „Wildtiere haben im Gegensatz zu Haustieren keine entwicklungsgeschichtliche Anpassung an das Leben in der Obhut des Menschen durchlaufen. Daher stellen sie besonders hohe Ansprüche an Haltung und Unterbringung, die im Zirkusgeschäft unmöglich erfüllt werden können. Sogar in Zoos gelangt man zunehmend zu der Erkenntnis, dass dortige Unterbringungsmöglichkeiten sehr unzureichend sind und viel mehr Platz und besondere Gehegestrukturierungen erforderlich wären.“ erklärt Lawo und argumentiert weiter: “Im üblichen Zirkusalltag können die Tiere nur für kurze Zeit am Tag in der Manege beschäftigt werden; ein ausreichender Ausgleich zu den oftmals beengten Tierunterkünften findet somit nicht statt. Während der häufigen Standortwechsel wird das Ausleben existenzieller Bedürfnisse der Tiere damit nahezu vollständig eingeschränkt.“
Nur ein Beispiel: Bären sind solitär lebende Raubtiere. Die Einzelgänger sind in freier Wildbahn am liebsten in der Dämmerung oder nachts aktiv und ziehen sich zum Schlafen in Höhlen zurück. Im Spätsommer und Herbst fressen sie sich einen Fettvorrat an, um die kalten Wintermonate in so genannter Winterruhe vollkommen ungestört zu „verschlafen“. Die drei Bären, die der Circus Universal Renz mit sich führt, leben eingesperrt auf engstem Raum immer in Gesellschaft der anderen, den Zirkuswagen als inadäquaten Höhlenersatz. Winterruhe gibt es nicht, die Bären werden stattdessen ständig von Ort zu Ort gefahren und müssen in der Zirkusmanege artwidrige Kunststückchen aufführen.
Nicht wesentlich anders ergeht es den sibirischen Tigern, Elefanten oder Alligatoren. Verhaltensauffälligkeiten, wie das stereotype Weben oder andauernde Hin- und Herlaufen am Käfiggitter sind nur eine der Folgen dieser tierunwürdigen Haltungsbedingungen. Doch nicht genug damit, es kommt auch immer wieder zu Unfällen und Sicherheitsrisiken. So wurde erst im vergangenen Jahr ein Bär des Circus Universal Renz erschossen, nachdem er zusammen mit einem Artgenossen ausgebrochen war. Auch die Elefantenkuh Maya trampelte 2008 in Panik ihr Gehege nieder und musste mühsam wieder eingefangen werden, eine weitere Elefantenkuh verletzte im gleichen Jahr ihren Dompteur bei einem Angriff schwer.
Mehrere Städte, wie Kassel, München, Berlin ergriffen inzwischen selbst die Initiative und wollen u. a. aus Sicherheitsgründen zukünftig Zirkussen mit Wildtieren keine Auftrittsgenehmigung mehr erteilen. In Baden-Württemberg hat neben Heidelberg jetzt auch die Stadt Mannheim vor, dem Schaugeschäft mit Bären, Alligatoren, Krokodilen und dem ganzen exotischen Gefolge den Boden entziehen. Zurzeit überarbeiten sie dort die Überlassungsbedingungen von Plätzen für Zirkusgastspiele mit dem Ziel, Tiger & Co so zumindest zukünftig den Auftritt in Mannheim ersparen zu können.
„Wir lehnen die Haltung vor allem von Tieren wild lebender Arten in Zirkusbetrieben ab und wollen auch nicht mehr länger hinnehmen, wie Tiere gewaltsam zu unnatürlichem Verhalten gezwungen werden“ macht Herbert Lawo abschließend noch einmal seinen Standpunkt deutlich: „Wir fordern deshalb, dass der Bundesratsentschluss von 2003 endlich umgesetzt und damit die Haltung bestimmter Wildtierarten im Zirkus verboten wird. Wir bitten die Bevölkerung, keinen Zirkus mit Tierhaltung zu besuchen. Das sollte nicht schwer fallen, denn die Erfahrung zeigt, dass faszinierender Zirkus durchaus ohne (Wild)Tiernummern möglich ist.“
Karlsruhe, 03. März 2010