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Landesweiter Badespass an Baggerseen und Binnengewässern - auch Tier- und Naturschutz gehen baden

Die Sommerhitze treibt die Menschen im Südwesten in Scharen nicht nur in die Freibäder, sondern auch an die vielen Baggerseen oder anderen natürlichen Gewässer im Lande. Der Landestierschutzverband bittet um Rücksichtnahme auf die besondere Tier- und Pflanzenwelt rund um die Seen und weist auf einfache Verhaltensregeln hin.

„Bei allem ausgelassenen Badespass am See sollte sich trotzdem jeder immer bewusst sein, dass er auch hier nur ein Gast ist und entsprechend benehmen. Das beginnt damit, dass man auf den Wegen bleibt und nicht rücksichtslos mit dem Auto möglichst nah an den See fährt, um dann noch kreuz und quer durchs Gelände zu laufen oder sensible Uferbereiche zu zerstören. Offene Feuerstellen sind verboten, und ebenso selbstverständlich sollte es sein, dass jeder seinen Abfall wieder mit nach Hause nimmt“, fasst Herbert Lawo, Vorsitzender des Landestierschutzverbands die einfachen Grundregeln kurz zusammen. Immer wieder wird zurückgelassener Abfall für Tiere zur Todesfalle. Sie verletzen sich an scharfkantigen Dosen, bleiben mit der Schnauze in Flaschen oder Joghurtbechern stecken, Plastikabfall führt zu tödlichen Magen- oder Darmverstopfungen oder Tiere ersticken elend daran. Glasscherben können nicht nur tödliche Schnittverletzungen verursachen, sondern führen durch den „Brennglaseffekt“ oft sogar zu Waldbränden.

Naturnahes Badevergnügen erfordert Rücksichtnahme

Die offenen Sand- und Dünenflächen rund um die Baggerseen des Kies- und Sandabbaus am Oberen Neckar, in der Oberrheinebene und andernorts im Lande, stellen wertvolle Lebensräume aus zweiter Hand dar – Sekundärbiotope für die einzigartige Tier- und Pflanzenwelt der Binnendünen und Sandrasen. Da landesweit immer mehr der natürlich entstandenen Binnendünen- und Sandrasenbiotope verschwinden, ist eine Reihe spezialisierter Tierarten auf diese alternativen Lebensräume angewiesen, so beispielsweise das Wildkaninchen, das in Sandböden seine weit verzweigten Höhlen gräbt oder die am Boden brütende Haubenlerche.
Auch die seltenen Fluss-Seeschwalben bauen ihre Nestmulden am Boden, und der streng geschützte Eisvogel benötigt für seine Bruthöhle Steilwände aus Lehm oder festem Sand. Sie alle sowie eine große Anzahl von seltenen Insekten und Kleintieren fühlen sich durch rücksichtslose Badetouristen massiv gestört.

Aber auch andere einheimische Wildtiere und -vögel, die rund um Gewässer ihre Jungtiere aufziehen, werden durch aufdringliche Besucher stark beunruhigt und immer wieder bei der Futtersuche aufgeschreckt bzw. lassen sogar ihren Nachwuchs im Stich. Nicht selten kommt es vor, dass Sonnenanbeter auf ihrer rücksichtslosen Suche nach einem für sie geeigneten Plätzchen, Gelege zertrampeln, Bruthöhlen vernichten oder nur durch ihre Anwesenheit scheue und seltene Tierarten dauerhaft verdrängen.

„Schilfzonen und Uferbereiche, sollten für Badegäste - genauso wie für Surfer, Segel-, Paddel-, oder Schlauchboote zum Schutz der dort lebenden Tiere absolut tabu sein, vor allem wenn sie unter Naturschutz stehen.“ so Lawo und appelliert noch einmal eindringlich an alle Seebesucher ihren Badeaufenthalt „tier- und naturverträglich“ zu gestalten.

Karlsruhe, 7. Juli 2010
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Schaf verdurstet - Weidetiere leiden unter der Sommerhitze

Der Landestierschutzverband weist darauf hin, dass Tiere auf der Weide an heißen Tagen unbedingt Schattenplätze und ausreichend Trinkwasser benötigen.

Auf einer Weide in Burladingen (Zollernalbkreis) ist am vergangenen Wochenende ein Schaf in der sengenden Hitze jämmerlich verdurstet. Aufmerksame Spaziergänger informierten die Polizei, dass auf einer Weide Schafe ohne Wasser stehen würden - doch für ein Tier kam jede Hilfe bereits zu spät. Gegen den Schafhalter wurden Ermittlungen wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz eingeleitet.

Immer wieder erreichen den Landestierschutzverband Meldungen besorgter Tierfreunde über Schafe, Rinder, Ponys und Pferde, die ohne ausreichende Versorgung mit Frischwasser und ohne Schatten in der prallen Sonne stehen. Doch Weidetiere leiden genauso wie Menschen an den Folgen zu intensiver Sonnen- und Hitzeeinwirkung. Grundsätzlich gilt deswegen auch für Weidetiere: Schatten und Wasser sind unabdingbar.

Rinder beispielsweise können ihren Wasserbedarf, selbst wenn frisches Grünfutter verfügbar ist, nicht ausschließlich über das im Futter gebundene Wasser decken. Daher muss Rindern ganzjährig hygienisch einwandfreies Wasser zur freien Verfügung stehen. Dabei ist bei erwachsenen Rindern von einem Durchschnittsbedarf von etwa 40 Litern auszugehen - milchproduzierende Kühe bzw. Mutterkühe mit Kälbern brauchen sogar das Doppelte. Und an heißen Tagen steigt der Wasserbedarf noch zusätzlich an. Pferde benötigen im Sommer mindestens ca. 60 Liter Trinkwasser täglich pro Tier und auch für Schafe ist ausreichend Trinkwasser lebensnotwendig.

Prinzipiell kommen Pferde, Schafe und Rinder mit Kälte wesentlich besser zu Recht als mit der zur Zeit herrschenden Hitze. Mit zunehmender Körpertemperatur werden die Tiere unruhig und geraten zunehmend unter Stress, es treten Störungen des Nervensystems und des Kreislaufs auf, die sogar bis zum Tod führen können. Jeder Tierhalter ist nach geltendem Tierschutzrecht dazu verpflichtet, seine Tiere vor solchen Leiden zu bewahren und entsprechend Vorsorge zu treffen.

Ein Schutz vor der Sonne im Sommer ist deswegen mindestens ebenso wichtig wie ein Kälteschutz im Winter. Bei der ganzjährigen Weidehaltung von Rindern oder "Robusthaltung" von Pferden ist deshalb auch im Sommer ein Witterungsschutz unabdingbar. Fehlen natürliche Schattenspender, wie dichte Laubbäume oder bieten diese nicht genügend Schatten für alle Tiere der Gruppe, müssen zusätzliche Schattenplätze geschaffen werden. Schon eine großflächig gespannte Plane bietet Schutz vor der direkten Sonneneinstrahlung.
„Eine weitaus sinnvollere Maßnahme ist es natürlich die Tiere über die Mittagshitze in den Stall zu holen und nur am frühen Morgen oder späten Abend bzw. über Nacht auf die Weide oder Koppel zu lassen“ rät Herbert Lawo, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes. „Dann sind nicht nur die Temperaturen erträglich, sondern auch Mücken und Bremsen weniger aktiv, die Weidetiere durch ihre Stiche oder Bisse noch zusätzlich belästigen.“ fügt Lawo ergänzend hinzu.

Der Landestierschutzverband nimmt deshalb auch jeden Hinweis aus der Bevölkerung ernst und ermutigt alle Mitbürger, bei Verdacht auf unsachgemäße Weidetierhaltungen zum Schutz der Tiere umgehend den örtlichen Tierschutzverein, die Polizei oder das zuständige Veterinäramt zu informieren.

Karlsruhe, 13. Juli 2010
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