Ende März / Anfang April ist die neue Ausgabe unserer Zeitung "Tierschutz Baden-Württemberg" herausgekommen.

Tierschutzzeitung BW Ausgabe 1 - 2004

Hier eine kleine Themenauswahl:

  • Tierschutzjugend in Baden-Württemberg
  • Ständerhaltung von Pferden - jetzt auch in Baden-Württemberg verboten
  • Osterhase in Gefahr
  • Plädoyer für den Kormoran
  • Ausbildungsberuf Tierpfleger / Fachrichtung Tierheim und Tierpension


  • Die Tierschutzjugend - und warum sie so wichtig ist !

    Kinder und Jugendliche an die Tierwelt heranzuführen und ihre Liebe zu den Tieren zu fördern ist eine der wichtigsten Aufgaben der Tierschützer im Landestierschutzverband Baden-Württemberg. Unermüdlich weisen Tierschützer tagein, tagaus auf die schrecklichen Zustände hin, die die Tiere auch bei uns zu erleiden haben. Dennoch ist eine Bewusstseinsänderung in unserer Gesellschaft nur mühsam zu erreichen. Dies ist die bittere Erkenntnis aus der Entwicklung der letzten Jahre, auch wenn die Aufnahme des Tierschutzgedankens in Landesverfassung und Grundgesetz Fortschritte in schnellerer Gangart erhoffen ließen.

    Nehmen wir zum Beispiel das Thema Legehennen, über das wir in dieser Ausgabe berichten. Wie viele Menschen scheren sich denn um die unbeschreibliche Grausamkeit, die diesen Tieren in der Käfighaltung zugefügt wird? Beobachtungen im Supermarkt sind ernüchternd. Die meisten öffnen den Eierkarton doch nur aus dem einzigen Grund, sich zu versichern, dass auch bloß kein Ei beschädigt ist. Ein Blick auf die Kennzeichnung: ist es eine 0, eine1, eine 2 oder eine 3 - es interessiert die wenigsten.

    Und doch kann man auch andere Szenen erleben: eine Mutter und ihre 13-jährige Tochter beim Einkauf. Die Mutter greift gedankenlos zur Eierpackung, sie hat es eilig und keine Zeit, Gedanken an dieses Lebensmittel zu "verschwenden". Und da greift die Tochter ein und sagt: "Mama, diese Eier dürfen wir nicht kaufen, sie sind unter Qualen gelegt worden. Wir dürfen nur Eier kaufen, die eine 0 oder eine 1 aufgestempelt haben." Die Mutter legt daraufhin den Karton zurück und nimmt sich nun die Zeit, gemeinsam mit ihrem Kind die Hühnereier auf ihre Kennzeichnung hin zu überprüfen.

    0 oder 1 - sonst keins

    Das macht Mut. Und an dieser kleinen Beobachtung wird anschaulich, von welch entscheidender Bedeutung es ist, die Jugend an den Tierschutz heranzuführen. Respekt vor dem Leben zu vermitteln, ist fraglos die elementarste Aufgabe der Pädagogik. Ein Kind kann das Wunder noch begreifen, das jedes Lebewesen in sich trägt und erkennen, wie schützenswert jegliches Leben ist.

    Ob Meerschweinchen, Hund oder Katze: einem Kind kann man noch begreiflich machen, dass alle diese Tiere uns voller Vertrauen begegnen. Es zu streicheln, zu füttern, zu pflegen - dies sind Erfahrungen, die man keinem Heranwachsenden vorenthalten sollte. Kinder und Jugendliche, die die Welt der Tiere in unserer Mitte noch wahrnehmen, die sensibilisiert werden können gegen den Irrsinn der Massentierhaltung, werden hoffentlich irgendwann anderen Kindern oder Zuhause dasselbe vermitteln wollen. Sie werden heranwachsen und beim Anblick eines Putenschnitzels wissen, dass dies etwas ganz anderes ist als ein steriles Produkt der Lebensmittelindustrie, sondern vielmehr Teil eines Tieres mit "vorprogrammiertem" Lebensende nach zumeist qualvoller Lebens- und Sterbezeit.

    Tierschutzsensibilisierte Kinder und Jugendliche erwarten zurecht eine "beispielhafte" Lebenseinstellung der Erwachsenen im Umgang mit allen Tieren - sei es in der Natur, im häuslichen Bereich oder in der "Nutz"tierhaltung. Und sie erwarten unseren kritischen Umgang mit dem "Verbrauch" von Tieren für unseren Konsum sowie dem Missbrauch in Freizeit und Sport, in Brauchtum und auch in der Mode.

    In der Begegnung mit dem Tier und im Tierschutz-Handeln können Kinder Sensibilität, Emotionen und Begeisterungsfähigkeit ausleben. Jugendtierschutz bedeutet darüber hinaus auch Kommunikation und Miteinander und zwar nicht nur zwischen Mensch und Tier, sondern auch zwischen Mensch und Mensch. An einem Erlebnisbericht soll illustriert werden, was Tierschutzjugend in Baden-Württemberg ganz unmittelbar heißt:

    Treffen der Tierschutzjugend aus Baden-Württemberg vom 19. bis 21. September 2003 im Tom-Tatze-Tierheim in Walldorf.

    Jedes Jahr gibt der Landestierschutzverband Baden-Württemberg Jugendlichen aus den Mitgliedsvereinen die Möglichkeit, drei Tage mit anderen jungen Tierschützern zu verbringen. Diesmal kamen die Teilnehmer aus Böblingen, Oberkirch, Singen-Hegau, Mannheim, Vaihingen/Enz, Donzdorf, Karlsruhe, Heilbronn, Heidenheim, Winnenden, Esslingen, Tübingen und aus Wiesloch. Fast 100 Jugendliche und Betreuer wurden in der Jugendherberge Heidelberg untergebracht. Am ersten Tag ging es gleich mit Bussen nach Speyer zum Besuch des Sea-Life. Dort war Erstaunliches über die Unterwasserwelt und vor allem über die Bewohner des Rheins von seinem Ursprung bis zu seiner Mündung zu erfahren. Anschließend stand ein Besuch des Heidelberger Zoos mit Führung durch dortige Zoo-Ranger auf dem Programm. Es war viel Interessantes über die im Zoo lebenden Tiere zu erfahren, wobei es den jungen Tierschützern aber vor allem darum ging zu erfahren, welche Bemühungen die Zoos unternehmen, um die vielen Probleme der dortigen Tierhaltungen zu lösen.

    Der nächste Tag fand im Tom-Tatze-Tierheim in Wiesloch statt. Der Vorsitzende des Tierschutzvereins Wiesloch, zeigte die einzelnen Bereiche des Tierheims und erklärte deren Funktion. Die Hundetrainer des Tierheims demonstrierten den Jugendlichen anhand verschiedener Übungen, wie man einem Hund etwas beibringen sollte. Ziel der Übungen war es, den jungen Tierschützern zu zeigen, dass Hunde empfindliche Seelen sind, deren Erziehung viel Feingefühl braucht, damit Mensch und Hund Freude am Lernen haben. Doch neben all diesen Programmpunkten blieb für die 100 jungen Tierschützer genügend Zeit, sich kennen zu lernen und Spaß zu haben.


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    Die Ständerhaltung von Pferden - jetzt endlich auch in Baden-Württemberg verboten

    Nach Hessen, Schleswig Holstein, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen und Sachsen-Anhalt hat jetzt endlich auch Baden-Württemberg beschlossen, die dauerhafte Anbindehaltung von Pferden zu untersagen.

    Noch bestehende Ständerhaltungen müssen demnach bis zum 1. Oktober 2005 auf tiergerechte Haltungssysteme umgestellt werden. Eine dauerhafte Ständerhaltung von Pferden ist nicht mehr zulässig, da "Pferde als bewegungsaktive Tiere täglich mehrere Stunden die Möglichkeit haben müssen, sich außerhalb der Anbindehaltung frei zu bewegen". Zudem hat das MLR betont, dass Förderungen von Tierhaltungen seitens des Landes grundsätzlich nur dann erfolgen, wenn u.a. die tierschutzrechtlichen Bestimmungen eingehalten werden.

    Der Landestierschutzverband war allerdings schon immer der Auffassung, dass das Anbinden von Pferden auf engstem Raum als ständige Haltungsform nicht tierschutzkonform ist. Pferde sind ausgesprochene "Fluchttiere", die das Gefühl einer gewissen Bewegungsfreiheit für ihr Wohlbefinden unbedingt benötigen. Das dauerhafte Anbinden in sogenannten Ständern fesselt die Tiere auf engstem Raum. Die Pferde können weder mit Artgenossen kommunizieren, noch Sozialkontakte pflegen. Sogenanntes "Komfortverhalten" wie Knabbern, sich Scheuern oder Wälzen ist ebenfalls nicht möglich. Auch das arttypische Ruheverhalten wird gravierend eingeschränkt, insbesondere auf Tiefschlaf in der Seitenlage müssen Pferde in Anbindehaltung verzichten. Schwerwiegende Verhaltensstörungen sind bei derartigen Haltungsbedingungen absehbar. Wir hatten dieses Problem deswegen bereits im Jahr 2000 im Landesbeirat für Tierschutz im zuständigen Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum (MLR) thematisiert, sind mit unserem Anliegen eines landesweiten Verbotes der Ständerhaltung von Pferden aber zunächst gescheitert. Gestärkt durch die Vorreiterrolle der anderen Bundesländer in Sachen Ständerhaltungsverbot, hatten wir im März 2003 einen weiteren Vorstoß gestartet, ein generelles Verbot der Anbindehaltung von Pferden auch in BW zu erwirken ... mit Erfolg !!

    Per Erlass vom 16. Oktober 2003 ist jetzt auch in Baden-Württemberg die dauerhafte Anbindehaltung von Pferden nicht mehr zulässig.


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    Osterhase in Gefahr !!
    Dem Feldhasen geht es in Baden-Württemberg schon lange nicht mehr gut.


    Die Feldhasen sind wieder unterwegs
    (Bild: D. Nill)
    Als Osterbote und Symbol des Frühlings und der Fruchtbarkeit ist uns Menschen der heimische Feldhase seit jeher ans Herz gewachsen. Er ist auf weitflächigen Wiesen oder Feldern anzutreffen, wie wir sie in den Landschaften Baden-Württembergs leider immer weniger vorfinden.

    "Lepus europaeus", wird ab Februar, wenn die Tage wieder länger werden, besonders aktiv. Dann kann man die Hasen dabei beobachten, wie sie sich gegenseitig verfolgen und balgen, denn bereits jetzt beginnt die Hasenhochzeit. Alles andere um sie herum anscheinend vergessend schlagen sie Haken, vollführen Luftsprünge und klopfen und trommeln aufgeregt mit den Pfoten. Die flinken Tiere erreichen auf kurzen Strecken sogar Geschwindigkeiten von bis zu 70 Stundenkilometer.

    Eine Häsin kann bis zu dreimal im Jahr ein bis zwei Jungtiere zur Welt bringen. Die vollentwickelten Jungtiere werden in eine kleine Erd-Kuhle abgelegt. Ihr einziger Schutz ist ihre unauffällige Fellfärbung, und der fehlende Eigengeruch. Nähert sich "Gefahr", bleiben sie still und unbeweglich sitzen und vertrauen ganz auf ihre Tarnfarbe und Geruchlosigkeit. Natürliche Feinde wie Hunde oder Füchse erkennen ihre potentiellen Beutetiere hauptsächlich am Geruch oder der Fluchtreaktion. Da den jungen Hasen der spezielle Hasenduft fehlt und sie sich regungslos auf den Boden drücken, werden sie nicht wahrgenommen, selbst wenn sie nur wenige Zentimeter weit weg sind. So kann es durchaus auch passieren, dass man beim Spaziergang durch die Felder ein solches "anscheinend zurückgelassenes" Hasenjunges findet.

    Vorsicht !!! Das Jungtier nicht anfassen und keinesfalls nicht mitnehmen!!!

    Wenn das Junge nach "Mensch" riecht, wird es nicht mehr von seiner Mutter angenommen und muss verhungern!! Die kleinen Hasen sind nicht allein und hilflos!! Die Hasenmutter kehrt täglich nach Sonnenuntergang zum Säugen zu ihren Jungen zurück. Danach verschwindet sie gleich wieder, um das Hasennest nicht zu verraten. Die Überlebenschancen des ersten Wurfes im März sind leider sowieso nicht die besten. Wenn beispielsweise bei kaltem und windigem Frühlingswetter der feine Pelz der Hasenbabys noch vom Regen durchnässt wird, sterben viele von ihnen an Unterkühlung. Die späteren Würfe haben deutlich bessere Chancen durchzukommen - vielleicht ... ?

    Kein leichtes Leben

    Erschwert wird das Überleben unserer heimischen Feldhasen darüber hinaus noch durch die zunehmend einseitige Bewirtschaftung von Wiesen und Feldern. Unsere "Agrarlandschaften" werden inzwischen beherrscht von Monokulturen und Fettwiesen. Gegen "Unkräuter" wird massiv vorgegangen.

    Kein guter Lebensraum für Feldhasen, die auf vielseitige Nahrung angewiesen sind, da sie 80 % des aufgenommenen Pflanzenmaterials direkt über den Kot wieder ausscheiden. Im Gegensatz zur ungedüngten Feldwiese mit ca. 45 verschiedenen Gräserarten finden wir auf der gängigen Futterwiese vielleicht gerade noch fünf Arten. Die Feldhasen leben in der Gefahr, mit vollem Magen zu verhungern. Die durch kräftige Düngung außerdem sehr stickstoffhaltige Kost hat den Feldhasen längst krank gemacht. So konnten bei Beständen in intensiv landwirtschaftlich genutzten Gebieten bereits Fruchtbarkeitsstörungen nachgewiesen werden. Das ist besonders traurig, wenn man bedenkt, dass der Feldhase ein sensibel reagierender Bio-Indikator für den Lebensraum Feldflur ist.

    Zusätzliche Gefahren

    Durch Flurbereinigungsmaßnahmen, immer mehr Verkehrsstrassen und damit der Zerstückelung der Lebensräume ist der aus den Steppen Osteuropas eingewanderte Lepus europaeus zusätzlich gefährdet. Auf einer Fläche unter 50 Hektar siedelt sich keine Hasenpopulation an. Aufgrund des mangelnden Lebensraums findet man in manchen Regionen schon mehr Feldhasen in Waldzonen als in ihrem eigentlichen Lebensraum "Feldflur". Die zunehmende Isolation der einzelnen Hasen-Populationen zieht außerdem Inzuchtprobleme nach sich. Die Folgen sind Zwergwuchs und Unfruchtbarkeit bei den Nachkommen. Alle Fachleute sind sich einig: der Feldhase ist ernsthaft in Gefahr!

    Das gibt zu denken - wir sollten beginnen, im Osterhasen nicht nur das Symbol für Frühling und Ostern zu sehen, sondern auch ein Symbol für die Qualität unserer Naturlandschaften. Der Feldhase hat es schwer genug und deshalb ist es nicht nur für Tierfreunde unverständlich, dass er immer noch von den Jägern verfolgt und bei herbstlichen Treibjagden eingekreist und geschossen wird. Doch trotz ständig sinkender Abschusszahlen (im Jagdjahr 2002/2003 wurde in BW mit 13.385 erlegten Feldhasen der niedrigste Stand seit 1953 erreicht) und den erschreckenden Besatzziffern der jüngsten Hasenzählung vertreten Jagd-Befürworter die Ansicht, vom Aussterben des Feldhasen könne keine Rede sein. Dem widerspricht der Landestierschutzverband Baden-Württemberg mit der Unterstützung führender Wildbiologen entschieden und fordert ein ganzjähriges Jagdverbot für den Feldhasen.


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    Dem Kormoran soll es auch weiterhin an den Kragen gehen ...

    Eine weitere, wenig erfreuliche landespolitische Entwicklung zeichnet sich bezüglich der Kormorane ab.


    Kormorane (Bild: D. Nill)

    Bis vor ein paar Jahren galt der Kormoran als eine stark gefährdete Vogelart, die bei uns schon lange nicht mehr zu sehen war. Nur aufgrund internationaler und nationaler Schutzbestimmungen hat sich der Bestand dieser fischfressenden Vögel wieder erholt und auch in Baden-Württemberg sind sie jetzt stellenweise wieder anzutreffen.

    Seit einigen Jahren können wir in Baden-Württemberg wieder Kormorane als Wintergäste verzeichnen, wobei die Anzahl der Vögel dieser Art mit ca. 5000-6000 Tieren in den vergangenen Wintern stabil geblieben ist. Waren es zunächst nur durchziehende Vögel, die bei uns überwinterten, gibt es vereinzelt in Naturschutzgebieten inzwischen sogar Brutpaare, die das ganze Jahr über bei uns bleiben. Aber statt sich zu freuen, dass sich die interessanten Vögel auch bei uns wieder heimisch fühlen, wurde von Seiten der Angelfischer sofort gegen den neuen "Konkurrenten" mobil gemacht.

    Vehemente Forderung der Hobby-Angler: "Der fischfressende Räuber muss weg"

    Aufgrund des landesweiten Aufschreis unter den Anglern wurde am 2. September 1999 die Verordnung der Landesregierung "zur Abwendung erheblicher fischereiwirtschaftlicher Schäden durch Kormorane sowie zum Schutz heimischer Tierwelt" erlassen. Die "Effektivität" der zunächst nur befristeten Verordnung sollte über Begleituntersuchungen dokumentiert werden. Aufgrund dieser neuen "Kormoranverordnung" konnte nun auch in Baden-Württemberg in "Ausnahmefällen" in den Wintermonaten die "letale Vergrämung" - gemeint ist das Erschießen - von Kormoranen genehmigt werden. Im Verlauf dieser fünf Jahre wurden so jeden Winter über 10 % der ungeliebten Wintergäste getötet, im vergangenen Winter waren es sogar 858 Tiere.

    Mehr als fragwürdige Argumentation

    Fischereiwirtschaftliche Schäden entstehen - wenn überhaupt - sowieso nur Berufsfischern oder Teichwirten, die - wie der Kormoran - von "ihren" Fischen leben. Die Anzahl der Berufsfischer in BW ist allerdings an ein paar Fingern abzuzählen, und den Teichwirten stehen andere, nicht tödliche Methoden zur Verfügung, um hungrige Fischräuber effektiv abzuhalten. Wie inzwischen sogar verwaltungsgerichtlich entschieden wurde, ist ein entsprechender Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung zum Abschuss von Kormoranen von Seiten der Hobbyangler nicht zulässig!! (siehe VGH-Urteil Kassel vom 8.7.85; G-Urteil Frankfurt/Oder vom 16.04.2002; VG-Urteil von Regensburg vom 22.07.03).

    Ist eine neue Verordnung überhaupt sinnvoll??

    Trotz dieser schwerwiegenden Gegenargumente beabsichtigt das Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum BW - auf Druck der Fischereiverbände - die "Kormoranverordnung" in verschärfter Form jetzt endgültig und dauerhaft festzuklopfen.

    Nicht nur dass diese, unserer Ansicht nach völlig ungerechtfertigte Abschussregelung nun dauerhaft gelten soll, es wird auch noch der Zeitraum verlängert, in dem die ungeliebten Kormorane "letal vergrämt" werden dürfen. Zukünftig soll es erlaubt sein, Kormorane statt wie bisher ab dem 1. Oktober schon ab dem 16. September bis zum 15. März zu töten.

    Einfach unverständlich - da ist landauf-landab von Entbürokratisierung und Verringerung des Verwaltungsaufwandes die Rede, aber wegen einiger weniger Kormorane soll eine neue Verordnung erarbeitet und erlassen werden. Und das, obwohl sich in den vergangenen fünf Jahren durch die sowieso zweifelhaften Abschussgenehmigungen noch nicht einmal irgendwelche erkennbaren "Erfolge" ergeben haben.

    Weder erholten sich (gefährdete??) Fischbestände sichtbar, noch veränderte sich die Anzahl der Brutpaare oder die Zahl der überwinternden Kormorane im vergangenen Jahr signifikant. Die Kormorane in BW sind mit ca. 5000 - 6000 Tieren in den letzten Jahren weitestgehend stabil geblieben. Von einer "Überpopulation" kann also keine Rede sein.

    Nur zum Vergleich:
    - Der Landesfischereiverband Baden-Württemberg e.V. (LFV) besteht aus 6 Mitgliedsverbänden mit 840 Vereinen und insgesamt 52.000 Mitgliedern. Aber auch wenn die Angler, Hobby- oder "Sport"-Fischer die Fische nicht - wie der o.g. fischfressende Vogel - zum Überleben brauchen, haben sie leider eine machtvolle Lobby, mit der sie sich für ihr Recht auf Freizeitvergnügen auf höchster Ebene einzusetzen wissen. Und sie sind anscheinend gewillt, dies mit allen Mitteln auf Kosten der "verhassten, schwarzen" Vögel durchzuboxen.

    Tier- und Naturschutz sind gegen die Fortführung der alljährlichen Kormoran-Dezimierung Mit Natur- und Umweltschutzverbänden spricht sich der Landestierschutzverband BW e.V. entschieden gegen die geplante Etablierung einer "Kormoranverordnung" aus. Es gibt schließlich wesentlich geeignetere Methoden, um die Bestandssituation vieler Fischarten in unserem Land nachhaltig zu verbessern. Die Umgestaltung vieler, z.T. völlig verbauter Gewässerabschnitte sollte vorrangigstes Ziel aller Naturfreunde sein, zu denen sich ja auch die Angler und Fischer zählen. Was den Fischen wirklich hilft, sind Initiativen für mehr Natur! Nur durch sogenannte "Renaturierungsmaßnahmen", also dem Versuch wieder möglichst naturnahe Gewässerbereiche zu schaffen, kann unseren einheimischen Fischen nachhaltig geholfen werden. Zum Beispiel der Ausbau "natürlicher Uferzonen" mit dem Ziel, den Fischen mehr Deckung und Versteckmöglichkeiten, Rückzugsraum, Schutz vor Fressfeinden und Laichplätze bzw. sichere Zonen für die Jungfische anzubieten.

    Gemeinsame Aktionen von Anglern und Naturschützern sind der richtige Weg und erübrigen die ständige Hatz auf den Kormoran. Die "Totholzburg" im Knielinger See bei Karlsruhe beispielsweise schafft Unterschlupf für die Fische und Schutz vor dem Kormoran.


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    Tier und Mensch gleichermaßen verpflichtet

    Ausbildungsberuf Tierpfleger/in Fachrichtung Tierheim und Tierpension

    Erwartungsvoll wedeln mehrere Dutzend Hunde mit dem Schwanz. Freudiges Kläffen begleitet die junge Auszubildende auf ihrem Weg zu den Hundeunterkünften, einen Wagen mit duftendem Hundefutter vor sich herschiebend. Der Tag beginnt jeweils damit, Futter für die Tiere vorzubereiten, anschließend wird dies verteilt, einige Tiere erhalten ihren Anteil gesondert, sie müssen nach tierärztlichen Diätvorgaben versorgt werden. Nach einer Ruhezeit für die Hunde, während der die Pflegerinnen in den Gemeinschaftsräumen mit Reinigungsarbeiten beginnen, verlassen die Hunde ihre Unterkünfte. In kleinen und großen Gruppen streifen sie durch die verschiedenen Ausläufe, erkunden, spielen oder dösen. In der Zwischenzeit steht die Reinigung ihrer Unterkünfte auf dem Programm. Ausräumen, Ausspritzen, Trocknen, Einräumen, ... Hygiene nimmt bei größeren Tierbeständen allerhöchste Priorität ein. So oder ähnlich werden die Arbeitstage beginnen. Zubereitung des Futters, die Kenntnis seiner Besonderheiten und die Ansprüche der verschiedensten Tierindividuen liegen ebenso in der Eigenverantwortung der Tierpfleger/innen wie der Umgang mit Reinigungs- und Desinfektionsmitteln.

    "Etwas mit Tieren" ...

    Diese Aussage hören Ausbildungsberater in nahezu jeder zu beratenden Schulklasse. Insbesondere Mädchen würden ihr Interesse oder gar Liebe zu den Tieren gerne zum Beruf machen. Seit wenigen Jahren wurde ein eigenständiges Berufsbild "Tierpfleger/in Fachrichtung Tierheim und Tierpension" eingerichtet, der sich in wesentlichen Inhalten von den Fachrichtungen "Forschung und Klinik" (bisher "Versuchstierpflege") und "Zoo" unterscheidet. Während der Ausbildung in einem Tierheim werden sämtliche Tierbereiche durchlaufen, die Katzenabteilung, die Abteilung für Kleintiere (Kaninchen, Meerschweinchen, Ratten usw.), der Bereich für die zu versorgenden Vögel und, falls im entsprechenden Tierheim oder der Tierpension vorhanden, auch die Versorgungsbereiche für Pferde, Schafe, andere Haustiere sowie exotische Tiere und zeitweise auch Wildtiere. Auszubildende in kleineren Ausbildungsbetrieben ergänzen ihre Kenntnisse ggf. durch einen Austausch mit einem größeren, in dem mehr und verschiedenere Tierarten betreut werden.

    Anatomie und Physiologie der Tiere, Kenntnisse über deren Krankheiten, deren Behandlung und Maßnahmen zum Schutz der Tiergesundheit werden insbesondere durch den begleitenden Einsatz beim für die Tierbetreuung zuständigen angestellten Tierarzt oder in einer Tierarztpraxis vermittelt. Entsprechende Behandlungen nach tierärztlicher Anweisung muss ausgebildetes Tierpflegepersonal selbstständig vornehmen und bei tierärztlichen Eingriffen muss mitgewirkt werden können.

    Allgemeine Kenntnisse über Natur- und Umweltschutz sowie über Arbeits- und Gesundheitsschutz werden ebenfalls vermittelt. Der Tierschutzgedanke und die damit verbundenen rechtlichen Vorgaben stellen einen zentralen Bestandteil der Ausbildung in der Fachrichtung Tierheim/Tierpension dar. Dazu gehört insbesondere auch der Erwerb der Befähigung, zeitgemäße Haltungsformen wie etwa die Gruppenhaltung bei Hunden sowie deren Sozialisierung gegenüber Menschen und anderen Hunden tierschutzgerecht erzieherisch umzusetzen sowie den tierschutzadäquaten Umgang mit Problemhunden zu beherrschen.


    Kontrollierte Gruppenhaltung von Hunden verlangt genaue Verhaltensbeobachtung und ggf. Eingreifen

    ... bedeutet immer auch mit Menschen

    Kommunikation der Tierpfleger/innen ist jedoch nicht nur gegenüber den Tieren gefordert. Der Umgang mit Menschen, die als Tierhalter, als Tierinteressenten, als Finder oder Überbringer von Tieren, als Melder eines Tierschutzfalles, als eines Tierschutzvergehens Beschuldigter oder einfach als Besucher auftreten, Kontakte mit Vertretern verschiedenster Behörden, mit Lieferanten und anderen Vertragspartnern ist eine weitere Säule dieses Berufsbildes. Sie müssen beraten, informiert und betreut werden. Auch die damit einhergehende Verwaltungsarbeit, wie z. B. die Registrierung und Bearbeitung von Tier- und Kundendaten, der Umgang mit Rechnungen, Zahlungsverkehr, Verträgen, die Information über Vertrags- und Geschäftsbedingungen, die Kalkulation betriebsbezogener Kosten und deren Überwachung, ist Teil der Ausbildung. Die ab Ausbildungsbeginn September 2003 geltende Novellierung der Ausbildungsordnung für diesen Berufszweig hat den Bereich der effektiven Kommunikation sowie die modernen Tierhaltungsformen und die Erziehung von Hunden nochmals ausdrücklich stärker gewichtet.

    Duales System

    Die übliche Ausbildungsdauer beträgt 3 Jahre, Verkürzung ist für entsprechend Vorgebildete möglich. Der begleitende Berufsschulunterricht findet in zeitlichen Blöcken zentral an der Bertha-von-Suttner-Schule in Ettlingen statt. Der schulische Unterricht vermittelt das breitere theoretische und Hintergrundwissen zu sämtlichen Ausbildungsthemen, zu dem neben fachspezifischen Bereichen auch allgemeine wie z. B. Deutsch, Rechnen und Wirtschafts- und Sozialkunde gehören. Über die gesamte Ausbildung ist - wie in allen anderen Ausbildungen ebenfalls - ein Berichtsheft zu führen. In einer Zwischenprüfung, i. d. R. vor Ende des zweiten Ausbildungsjahres, wird schriftlich und praktisch der aktuelle Ausbildungsstand ermittelt. Die ebenfalls schriftliche und praktische Abschlussprüfung erstreckt sich dann über sämtliche Fertigkeiten und Kenntnisse der Ausbildung sowie auf den im Berufsschulunterricht vermittelten Lehrstoff. In Baden-Württemberg wird derzeit u.a. in folgenden Tierheimen ausgebildet: Tierheim Stuttgart, Tierheim Reutlingen, Tierheim Esslingen, Tierheim Friedrichshafen, Tierheim Konstanz, Tierheim Heidenheim, Tierheim Ulm. ...


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