Reptilien-Freakshow - Geldmacherei mit Tierleid
Wie im Mittelalter versuchen auch heute noch Schausteller mit einer Art lebendiger Kuriositätensammlung oder Gruselkabinett Profit zu machen - statt mit Menschen eben mit Tieren. Die äußerst fragwürdigen Darbietungen gehen in erster Linie zu Lasten der mitgeführten Exoten. Ständige Transporte zu wechselnden Standorten, unzureichend ausgestattete Ausstellungsbehälter, behelfsmäßige Zwischenunterbringung, fehlende Rückzugsmöglichkeiten und vieles mehr stressen und belasten die Tiere. Der Landestierschutzverband appelliert an Tierfreunde, solche Zurschaustellungen von Tieren nicht zu unterstützen.
Mobile Reptilienausstellungen tingeln immer wieder mit diversen exotischen Tierarten durch Baden-Württemberg. Abnormitäten wie zweiköpfige Tiere oder Albinos dienen als Publikumsmagneten. Wie im Mittelalter wird versucht, mit Gruseleffekten oder Mutproben an das Geld der Zuschauer zu kommen. Große Spinnen und Skorpione sorgen für das mulmige Gruselgefühl und das Anfassen der Schlangen oder das Abschlussfoto mit Schlange um den Hals macht jeden kurzzeitig zum „Helden“.
Alles geht auf Kosten der beteiligten Tiere. Sowohl die ständigen Berührungen durch viele Hände als auch das Blitzlichtgewitter der Fotografen ist für sie äußerst unangenehm. Sie leiden aber neben dieser jahrmarktartigen, reißerischen Zurschaustellung auch unter den unzureichenden Unterbringungsbedingungen und dem ständigen Verladen und Transport.
„Diese fahrenden Tierschauen erhalten Ausstellungsgenehmigungen für öffentliche Hallen und Gebäude ohne dass tierschutzrechtliche Bedenken ausreichend geprüft werden und effektiv hinter die Kulissen dieser Tierhaltungen geschaut wird“, kritisiert Herbert Lawo, Vorsitzender des Landestierschutzverbandes, die verantwortlichen Behörden der Städte und Kommunen und fordert dazu auf, die tierschutzrechtlichen Vorgaben hier endlich umfassend und konsequent umzusetzen.
Bei einer Reptilienausstellung, die jetzt wieder im Raum Karlsruhe Station macht, wird diesmal versucht, die Besucher mit der äußerst fragwürdigen Attraktion einer zweiköpfigen Boa zu locken. Die immer wieder unter anderem Namen auftretende Ausstellung des Familienunternehmens ist schon seit Jahren mit Schlangen, Skorpionen und Riesenspinnen auf Tour.
Dabei sind die in Reihen aufgestellten Terrarien der „Exotenwelt“ für jeden Besucher frei zugänglich, es gibt keinen Sicherheitsabstand. Um Agamen, Geckos, Leguane, Schildkröten, Skorpione, Warane und Vogelspinnen zu Bewegungen zu animieren, klopfen viele Besucher an die Scheiben oder wedeln mit den Händen. Die Haltungsbedingungen und -einrichtungen der Tiere sind minimalistisch und vielfach unzureichend. Weder wird den höchst unterschiedlichen Ansprüchen der verschiedenen Tierarten an klimatische und räumliche Anforderungen angemessen Rechnung getragen, noch auf deren eigentlichen Lebensrhythmus, wie Tag- oder Nachtaktivität, Rücksicht genommen. In den zu kleinen und fast durchweg einheitlich ausgestatteten Terrarien sind die Tiere ohne Rückzugs- oder Versteckmöglichkeit dem sich vorbei schiebenden Publikum ausgesetzt. Dementsprechend hoch ist der Stress für die Tiere, sie werden krankheitsanfällig und sterben viel zu früh. Aber die meisten der zur Schau gestellten Reptilien gehören nicht zu seltenen Arten und sind ggf. ohne hohen Kostenaufwand für den Aussteller leicht zu „ersetzen“.
„Niemand scheint sich je die Frage zu stellen, wie hoch eigentlich die Verlustraten bei solchen Wanderausstellungen sind und was mit erkrankten, verletzten oder alten Tieren geschieht“, erläutert Herbert Lawo die tierschutzrelevante Problematik und ergänzt weiter:„Ebenso wenig interessiert sich jemand dafür, wie bzw. wo diese Tiere zwischen den Ausstellungen wohl gehalten werden“.
Die Behauptung mit solchen Ausstellungen den Menschen die Natur näher zu bringen, ist unsinnig. Das genaue Gegenteil ist der Fall: „Zu sehen sind Tiere unter z. T. tierschutzwidrigen Bedingungen in vollkommen künstlicher Umgebung. Aus Tierschutzsicht wird hier zu Lasten des Wohlbefindens von Tieren Profit gemacht“, verurteilt Lawo solche Ausstellungen als pädagogisch völlig verfehlt.
Karlsruhe, 18. Januar 2011


